Wer Homöopathie hört, denkt sofort an höchste Verdünnung: Ein Tropfen Arzneisubstanz auf eine Menge Lösung, die der Wassermenge des Bodensees entspricht – das soll helfen?
Tatsächlich hat Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, zunächst das Ähnlichkeitsprinzip zur Methode entwickelt. Dies ist bis heute der entscheidende Grundsatz und zugleich Unterschied zu anderen medizinischen Behandlungsweisen.
Aber der kritische Arzt und Chemiker Hahnemann hatte auch etwas an den herkömmlichen Arzneien auszusetzen. Vor allem die Nebenwirkungen wollte er vermindern. Und auch bei den homöopathischen Mitteln war ihm die Reaktion beim Patienten oft zu stark.
Bei seinen Bemühungen, den heilenden Arznei-Reiz so gering wie möglich zu halten, entdeckte Hahnemann, dass die Wirkung mit steigender Verdünnung und Verschüttelung zunahm, anstatt geringer zu werden. Unerwünschte Reaktionen ließen sich so zwar mildern und vermeiden, aber die Wirkung wurde viel tiefgreifender. Zusätzlich zeigten sich durch die Potenzierung plötzlich Arznei-Eigenschaften, die in der Ursubstanz gar nicht vorhanden waren.
Hahnemann erklärte das so: Bei der Verdünnung und Potenzierung eines Arzneistoffes werde die Substanz geringer, die Energie oder Lebenskraft des Ausgangsstoffes werde dabei jedoch aktiviert. Das Verschütteln der Essenz mit einem neutralen Medium wie Wasser oder Alkohol trenne die Lebensenergie des Stoffes schrittweise immer stärker von seinem materiellen Körper. Das Verdünnungsmittel diene dabei als leerer Datenträger, auf den die Information übertragen werde. Erst diese Form der homöopathischen Aufbereitung erlaubte es Hahnemann, auch schwere, chronische Erkrankungen erfolgreich zu behandeln.
"Similia similibus curentur"
Samuel Hahnemann
"Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden." Das ist der berühmte Leitsatz Samuel Hahnemanns (1755-1843).
Übrigens war Hahnemann der erste Chemiker, dem es gelang, bis dahin nichtlösliche Stoffe wie Mineralien und Metalle so aufzuschließen, dass sie für den Körper als Arznei verfügbar wurden. Zu einer Zeit, in der dies wissenschaftlich als nicht machbar galt.
Das homöopathische Heilprinzip
Brennende Halsschmerzen bessern durch Scharfes, warme Getränke bei heißem Klima oder Verletzungen durch Feuerquallen mit Essig lindern – klingt paradox, hat sich aber vielfach bewährt. Allen gemeinsam ist das Ähnlichkeitsprinzip.
Unser Organismus steht in ständigem Austausch mit der Umwelt. Und er muss dauernd reagieren. In der Regel mit dem Gegenteil, um sich selbst im Gleichgewicht zu halten: Bei großer Hitze mit Schweiß als Kühlwasser, bei Kälte mit Muskelzittern, um Wärme zu erzeugen. Um zu einem Ausgleich zu gelangen, wird auch die Giftwirkung von Genussmitteln und Drogen umgekehrt.
Bei Medikamenten verhält es sich nicht anders. Wer Schlaflosigkeit wiederholt mit Betäubungsmitteln bekämpft, ist anschließend mit der Gegenreaktion seines Körpers konfrontiert: vermehrte Wachheit. So kann ein Teufelskreis entstehen, der schließlich zur Abhängigkeit führt.
Welche Reaktion starker Kaffee im Organismus hervor ruft, wissen nicht nur Homöopathen. Wenn die Schlaflosigkeit eines Patienten allerdings einer Kaffeewirkung sehr ähnlich ist, kommen nur homöopathische Behandler auf die Idee, Kaffee als Heilmittel zu verabreichen. Denn das Symptom, nicht schlafen zu können, wird von ihnen nicht als Krankheit verstanden, sondern als Regulationsbemühung des Körpers.
Nach dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie würde Kaffee – in minimaler Dosierung – in diesem Fall die Regulationsarbeit wieder anstoßen. Und zwar deshalb, weil der Arzneireiz der momentanen Reaktionslage ganz ähnlich ist. Wenn der Körper also auf die Arznei reagiert, bewältigt er gleichzeitig die erlahmte Arbeit Schlaflosigkeit, da sie so ähnlich ist. Im Prinzip eine ganz einfache Idee.
Quelle: www.praxisbenner.de/1/homoeopathie.html